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Bewässerung - Das Wissen um das richtige Gießen

Das richtige wässern ist das A und O in unserem Kleingarten. Wir Menschen haben Pflanzen gezüchtet, die auf schnelles ertragreiches Wachstum selektiert wurden. Dies hat zur Folge dass die natürlichen Niederschlagsmengen den Wasserbedarf unserer Pflanzenkulturen nicht ausreichend decken können. Dies betrifft den Rasen, die Staudenbeete, das Obst und unseren Gemüsegarten ganz besonders. Nur ein Kräutergarten ist mit den natürlichen Niederschlägen hinreichend versorgt. Grundsätzlich gleichen wir den nötigen Wasserbedarf durch das Ansammeln von Regenwasser (Regentonnen) und durch eigene Ziehbrunnen aus. Nur wenn es nicht mehr anders möglich ist greifen wir auf das für Pflanzen weniger günstige harte Leitungswasser zurück, da es das giftige Chlor und den für manche Pflanzen ungünstigen Kalk enthält. Außerdem hat das weiche Regenwasser den Vorteil wohl temperiert zu sein. Abends, wenn die Luft abkühlt und die Verdunstung geringer ist bewässern wir mit der Gießkanne nach Möglichkeit direkt auf den Boden.

Brunnenwasser
Regenwasser

Bevor wir direkt aus dem Gartenschlauch bewässern gleichen wir zunächst den Wasserstand in unseren Regenwassertonnen aus. Leitungswasser das mit der starken Brause in die Regenwassertonnen gespritzt wird gibt schnell das Chlor an die Umgebung ab. Nach und nach setzt sich der Kalk am Boden der Regenwassertonnen ab, das Wasser temperiert. So müssen wir auch verfahren wenn wir den Wasserstand in unserem Gartenteich ausgleichen, keine Tiere und Pflanzen im Wasser schädigen wollen und die Algenblüte durch Kalk nicht anregen möchten !

Falsch ist es aber auch zu glauben, dass nur bei länger anhaltender Trockenheit bewässert werden muss. Für ein optimales Wachstum brauchen Gemüse z.B. ständig ihre ausreichende Wassermengen. Beispiele:

 

Wasserbedarf der Gemüse
Freiland mit Niederschlägen
Liter / m² / Woche
Gewächshaus oder Trockenheit
Liter / m² / Woche
Bohnen
(z.B.: Buschbohnen)
25
30
Kartoffeln
(alle Sorten)
29
36
Kohl
(z.B.: Blumenkohl, Brokkoli, Weiß-, Rotkohl)
28
35
Kürbisgewächse
(z.B.: Gurken, Kürbis, Zucchini)
24
28
Salate
(z.B.: Kopf-, Pflück- und Schnittsalat)
18
22
Tomaten
(alle Sorten)
29
36
Wurzelgemüse
(z.B.: Möhren, Schwarzwurzeln, Rettich)
27
31
Mischkulturen
(mehrere unterschiedliche Gemüse pro Beet)
26
31


Der Wasserbedarf ist bei 7 Tagen Trockenheit im Freiland oder im Gewächshaus relativ einfach zu ermitteln. Beispiel:

Wasserbedarf der Gurken bei Trockenheit / Gewächshaus
Ausmaße Gewächshaus
Grundfläche
Liter / m² / Woche
Gesamter
Wasserbedarf/Woche
Anzahl
Gießkannen a 20 l
200 cm / 300 cm
6 m²
28 l
168 l
~ 8


Aus diesem Beispiel folgt also dass wir unsere Gemüse im Gewächshaus einmal wöchentlich mit ca. 8 Gießkannen gesammelten Regen-/Brunnen-Wassers zu bewässern haben. Grundsätzlich kontrollieren wir alle 5 Tage die Wasserversorgung, gießen also die gesamte erforderliche Wassermenge jeweils innerhalb von 5 Tagen auf einmal auf! Dies ist vorteilhaft, weil sonst bei jedem Gießen 2 Liter Wasser durch Verdunstung über den Boden und Blättern verloren gehen. Würden wir jeden Tag drei Gießkannen im Gewächshaus oder bei Trockenheit täglich auf 6 m² Grundfläche ausbringen, würde davon nur 2 Gießkannen Wasser die Wurzeln der Pflanzen erreichen. Eine Gießkanne ist also reiner Verlust. Wer also täglich gießen würde, müsste pro Woche nicht 21 Gießkannen Wasser ausbringen, sondern 28, also 4 Gießkannen täglich, damit das Gemüse ausreichend mit Wasser versorgt ist.

Ganz leicht und bequem geht dies mit einem Regenmesser. Wer eine Zisterne gebaut oder einen Brunnen gebohrt hat kann über eine Pumpe ganz leicht, bequem und kostengünstig den Wasserbedarf bei Trockenheit ausgleichen. Hierzu stellen wir den Regenmesser im Garten so auf, dass er mit bewässert wird. An ihm können wir genau ablesen wieviel Wasser pro Quadratmeter den Pflanzen zu gute kommt. Spätestens alle 5 Tage überprüfen wir den Pegel und somit die Durchfeuchtung des Bodens. Ist der Pegelstand innerhalb dieser 5 Tage zu niedrig bewässern wir so lange, bis der benötigte Pegelstand erreicht ist und gleichen so den Wasserbedarf bei Trockenheit einfach und optimal wieder aus. Abschließend leeren wir den Regenmesser wieder. Auf diese Weise ersparen wir uns ganz einfach das führen einer Bewässerungstabelle und brauchen auch nicht Buch über die Niederschlagsmenge zu führen!

Folgende Angaben gelten wenn es warm und sonnig ist. Im Frühjahr von März bis Mai ist der Bedarf natürlich geringer, weil eine "Restfeuchte" vom Winter noch im Boden vorhanden ist und die Sämlinge, bzw. Setzlinge nur gezielt an ihren Pflanzstellen zu bewässern sind. 3 bis 6 Gießkannen wöchentlich als Wassergaben sind in dieser Zeit meißt vollkommen ausreichend. Denn Setzlinge, die wir im Frühstadium sparsam gießen wachsen nicht nur robuster heran, sondern überstehen auch mal Durststrecken besser, weil sie mehr und auch tiefere Wurzeln ausbilden.

Eine Buchshecke schützt vor kalten Bodenwinden
weniger Bodenwinde = weniger Wasserverlust durch Verdunstung

Den jeweiligen Wasserbedarf für unsere Gemüsebeete im Freiland zu ermitteln ist etwas aufwändiger, da die natürlichen Niederschlagsmengen, Sonneneinstrahlung, Temperatur, Bodenbeschaffung und Humusgehalt zu berücksichtigen sind.

Heu als Mulch senkt die Verdunstung und spart Wasser
Der Regenmesser stellt die Niederschlagsmenge genau fest

Nur in einem ausreichend feuchten Boden schließen die Bodenorganismen Mineralstoffe für unser Gemüse auf, was diese wiederum flüssig über ihre Wurzeln aufnehmen. Vor allem Pflanzen die ständig im ausreichenden Wasserfluss mit Kalium versorgt sind werden besonders Widerstandsfähig. Hierbei ist entscheidend wie viel Wasser der Boden speichern kann. Auf sandigen Böden können es unter Umständen bloß 35 Liter sein, was zur Folge hat, dass wir hier mehr als einmal pro Woche gießen müssen und einen damit verbundenen Verlust durch Verdunstung in Kauf nehmen müssen. Ausgedörrte Sandböden können sogar nur 25 Liter pro m² auf einmal aufnehmen. Lehmige Böden können hingegen bis zu 115 Liter Wasser speichern. Da in den meisten Gärten bei uns ein Lehm/Sand-Gemenge vorliegt reicht die Wasserspeicherfähigkeit von 87 bis 100 Liter für eine wöchentliche Bewässerung meißt aus. Sonne und hohe Temperaturen fördern die Verdunstung. Oberflächige Bodenlockerung und mulchen wirken einer Verdunstung entgegen. Den wenigsten Wasserverbrauch zeichnet Gemüsebeete in Mischkultur aus, da bei diesen Beeten die abgeernteten Stellen durch neu gepflanzte Setzlinge bald wieder aufs neue geschlossen werden und Blätter den Boden dann wieder beschatten. Beete die durch Buchshecken eingefaßt sind schützen vor Winden die ebenfalls eine Verdunstung beschleunigen. Ein ideal angelegter und kultivierter Gemüsegarten kann mehr als 25 % der Bewässerungsmenge einsparen.

geringere Verdunstung über den Boden bei Mischkulturen
nach dem Modell des Wasser sparenden Bauerngartens

Die folgenden Beispiele können also nur als eine Orientierungshilfe dienen. Entsprechende Zu- und Abschläge müssen individuell ermittelt werden. Die zur Berechnung notwendige Niederschlagsmenge messen wir mit unserem Regenmesser genau vor Ort oder können diesen für Düsseldorf über die Wetterwarte (Flughafen Düsseldorf) erfahren. Beispiel:

Berechnung der wöchentlichen Niederschlagsmenge
Wochentag
Niederschlag
mm / m² = Liter / m²
abzüglich Verlust
durch Verdunstung
von Pflanzen aufgenommene
Wassermenge (Liter / m²)
Samstag
0
0
0
Sonntag
19
2
17
Montag
0
0
0
Dienstag
0
0
0
Mittwoch
4
2
2
Freitag
1
1
0
Samstag
0
0
0
Aufgenommene Wassermenge
/ Woche
19
Flüssigkeitsbedarf
bei Mischkultur / Woche
26
zusätzlich zu bewässern
bei Mischkultur
7 + 2 (Verdunstung)

Die Maßeinheit der Meterologen von 1 mm Niederschlag entspricht 1 Liter pro m² wodurch uns das Umrechnen für den Bedarf auf unseren Gemüsebeeten leicht fällt. Beispiel:

Wasserbedarf Mischkultur mit Niederschlägen
Ausmaße Beete
Grundfläche
zustätzlicher Bedarf Liter / m² / Woche
Gesamte
Beetfläche
Anzahl
Gießkannen a 20 l
5 Beete a 120 cm / 330 cm
20 m²
9
180 Liter
9

Wer also kein Wasser verschwenden möchte, aber darauf achtet, dass seine Pflanzen ihre benötigte Wassermenge zur Verfügung haben, ermittelt auf diese Weise wöchentlich wie viel Gießkannen Regen-/Brunnenwasser er wöchentlich zusätzlich bewässern muss.

"Notbewässerung" mit Leitungswasser !
Bewässerung mit temperierten, weichem Regenwasser ist optimal !

Eine direkte Bewässerung durch Leitungswasser mit Hilfe eines "Wasserregners" ist unsere allerletzte Wahl. Dies machen wir nur wenn alle unsere Wassereserven in unseren Regenwassertonnen erschöpft sind und / oder der Wasserbedarf auf Grund von anhaltender Trockenheit so hoch ist, dass eine Bewässerung mit Brunnenwasser über die Gießkanne zeitlich nicht zu bewerkstelligen ist. Nur unsere Rasenflächen und Bäume sind für das kalkhaltige Leitungswasser dankbar empfänglich. Hierbei ist ein Sprenkler zu bevorzugen, der einem Tropfenfall des natürlichen Regens am meißten entspricht und möglichst weit streut, so dass die Wassertropfen beim Flug durch die Luft das ungeliebte Chlor an die Luft abgeben können.

Kalkhaltiges Leitungswasser macht sich vor allem bei Pflanzen negativ bemerkbar, die saure Böden bevorzugen und / oder Kalk schlecht vertragen. Heidelbeeren, Preiselbeeren, Cranberries, Rhododendren, Azaleen, Petunien, aber auch die Rosen gedeihen mit Kalk schlecht. Die Blätter färben sich gelb, während die Blattnerven noch eine Weile lang grün bleiben. Dieser Vorgang, der als Chlorose bezeichnet wird findet die Ursache darin, dass Kalk die Pflanzen daran hindert Magnesium und Eisen auf zu nehmen. Eisen und Magnesium benötigt die Pflanze unbedingt zur Bildung ihres Blattgrüns, der Kalk aber hält Eisen und Magnesium im Boden gebunden, so dass diese für die Pflanzen nicht mehr verfügbar sind. Wenn die Pflanzen aber nicht genügend Blattgrün bilden können vergilben die zunächst gelb verforbenden Blätter ins Braune, die Pflanzen kümmern und gehen letzt endlich ein.

Wohl dem der einen Ziehbrunnen auf seiner Parzelle hat. Brunnenwasser macht eine kalkarme, witterungsunabhängige Bewässerung zu faßt jeder Jahreszeit möglich. Wer einen Ziehbrunnen auch in seinem Kleingarten einrichten möchte, wendet sich bitte an den Vorstand um entsprechende Antragsformulare und Genehmigungen zu erhalten. Ganz nebenbei ersparen sich so unsere Gartenfreunde mit einem Ziehbrunnen auch noch die hohen Kosten für das Leitungswasser!